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Gespräch mit Gerd Meyerhoff

Gustav-Adolf Saal / Ausstattung

Auf welche Nutzung hin werden die zukünftigen Baumaßnahmen geplant?

Man kann es so zusammenfassen: Der Gustav-Adolf-Saal wird zur Studiobühne des Theaters ausgebaut. Mittel kommen u.a. aus dem Förderprogramm »Kultur in den neuen Ländern«, aus dem auch die Renovierung des Theaters gefördert wird. Ein Teil dieser Mittel fließt in die Jakobikirche. Zu den durchzuführenden Maßnahmen gehört der Ausbau dieser Bereiche, der ja sehr vielschichtig ist, denn die aufwendige Haustechnik, Strom, Heizung, Lüftung, Sanitär, muss gänzlich erneuert werden bzw. völlig neu konzipiert werden.

Studiobühne heißt, dass dort Aufführungen stattfinden sollen ?

Ja, es sollen Aufführungen stattfinden. Die Funktion, die das jetzige alte Brauhaus in der Knieperstraße hat, wird dann der Gustav-Adolf-Saal haben. Die Nebenräume kommen im übrigen Turmbereich unter. - Die Toilettenbereiche stehen als Nebenräume ab Fertigstellung der Studiobühne auch für das Kirchenschiff zur Verfügung, obwohl der eigentliche Ausbau des Kirchenschiffs noch ziemlich lange Zeit in Anspruch nehmen wird.

Die Studiobühne wird optisch dann nicht mehr wie ein Kirchenraum wirken ?

Naja - der GAS ist ohnehin ein Produkt der 1950er Jahre. Was alt ist, sind die Fenstermaßwerke, die in ihrer heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert stammen, teils auch die Gewölbe: An den Seiten sind es die alten, in der Mitte ist eine Gewölbeebene neu eingezogen worden. (Der darüberliegende Bereich wird derzeit für eingelagerte Teile der Orgel verwendet; in Zukunft wird dort die Balgkammer für die Orgel sein.)

Die Ausstattung wird jedenfalls nicht mehr an Kirche erinnern ?

Nein, das ist so. Aber der GAS ist ja auch eine Interimskirche gewesen, und die aktuelle Planung wird das Kirchschiff nicht betreffen. Dieses bleibt weiterhin leer ? bis auf die Prinzipalstücke. Aber das gehört auch wieder zum Konzept. Denn der Kirchraum wird mit der denkmalpflegerischen Zielstellung restauriert, dass die Prinzipalstücke, das sind Altar, Kanzel und Orgel, am Ort erhalten. Dann gibt es noch ein paar große Stücke, die bedeutend sind, die auch wieder ihren bzw. einen Platz in St. Jakobi finden sollen. Das ist die astronomische Uhr, das sind möglicherweise Epitaphien. Ich muss hier vage werden, weil es hierfür noch kein Konzept gibt.

Aber die Stücke gibt es noch ?

Es gibt ein sehr umfangreiches Kunstgutlager, da sind z. B. die Schnitzereien der Orgel eingelagert. Davon ist sehr viel erhalten. Es ist wahrscheinlich relativ vollständig, aber die Katalogisierung hat noch nicht stattgefunden; sie soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Dafür will sich der Förderverein einsetzen. [3]

Gibt es in Stralsund eine Diskussion, um die kirchlichen Ausstattungsstücke ?

Also, die Diskussion findet hier natürlich auch statt. Aber im Konzept für den Innenraum ist seinerzeit festgelegt worden, dass die Prinzipalstücke am Ort erhalten bleiben. Die Lucht-Kanzel zum Beispiel - ein sehr bedeutendes Werk der Renaissance - ist noch erhalten, wenn auch in vielen Teilen und mit Verlusten. Man sieht heute: ein Teil der Kanzel ist bereits in sehr hoher Qualität wieder aufgebaut worden, aber die Restaurierung ist natürlich auch mit großen Kosten verbunden. Die Kanzel ist ein für diesen Raum geschaffenes Kunst- und Kulturdenkmal. Sie wird zwar einen Teil des Platzes im Mittelschiff beanspruchen, die künftigen Zuschauerzahlen werden aber ohnehin begrenzt sein: 200 Leute sind kein Problem, darüber fängt es immer an problematisch zu werden. Die Herausforderung ist, Nutzungen zu finden, die mit dem Raum und der Ausstattung verträglich sind.

St. Jakobi ist hinsichtlich der Ausstattung nicht mit St. Petri in Lübeck vergleichbar, wo alles verschwunden ist, hier ist vieles zum großen Teil noch da. Was fehlt, ist das Gestühl, und das ist ja auch ein Vorteil. Dadurch kann man nämlich nach Bedarf und nach den Veranstaltungen möblieren.

Mit dem GAS und mit den Nebenräumen entstehen Toiletten und Nebenräume, die auch alle schon für den Kirchraum sehr nützlich sein werden. Daher kann man erst einmal Atem holen und weitersehen. Ich denke, die Konzeption ist schon für den ganzen Kirchenraum bedacht, aber es zwingt einen keiner, die Maßnahme schon jetzt fortzusetzen. Technisch könnte man noch sehr viel mehr machen, man muss es aber auch nicht unbedingt.

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[3] Diese Maßnahme ist im Jahr 2006 erfolgt. Das Schnitzwerk wurde sortiert, wieder zusammengeklebt und katalogisiert. Die Maßnahme wurde vom Förderverein finanziert.
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